Das Unternehmertestament als Schlüsseldokument des Notfallkoffers - KERN

Das Unternehmertestament als Schlüsseldokument des Notfallkoffers

Ein Unternehmertestament sollte auf jeden Fall mit den Gesellschaftsverträgen der Firma synchronisiert sein. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass dies oft nicht so ist und die Mehrheit aller deutschen Testamente ungültige Regelungen enthält.  

Im ersten Teil unseres Beitrags zum unternehmerischen Notfallkoffer haben wir uns auf den Beirat und die Formen der Stellvertretung sowie die Art der Bevollmächtigung als die drei wichtigsten Regelungen einer Notfallakte konzentriert. Im zweiten Teil geht es nun um das Unternehmertestament als viertes Element der Notfallvorsorge. Ergänzt wird dieser Teil um weitere Schlüsseldokumente für eine umfassende Notfallvorsorge.

4. Unternehmertestament

Ein ganz wesentlicher Bestandteil eines Notfallkoffers ist das Unternehmertestament. Denn mittels diesen Testamentes wird geregelt, wie es mit der Firma und der Familie weitergehen soll. Denn die Praxis zeigt, dass die gesetzliche Erbfolge nur selten für den erfolgreichen Fortbestand einer Firma gut ist.

Da in Deutschland Gesellschaftsrecht vor Erbrecht geht, müssen die Regelungen des Unternehmertestament mit denen des Gesellschaftsvertrages übereinstimmen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Unternehmensbeteiligung im schlimmsten Fall verloren geht.

Welche dramatischen Folgen eine Vernachlässigung des Unternehmertestamentes haben kann, zeigt der Erbrechtsfall der Unternehmerfamilie Ostmann.  Als die Hauptgesellschafterin, eine Enkelin des Gründers von „Ostmann Gewürze“, sich scheiden ließ, änderte sie ihr Testament. Alleinerbin sollte nun ihre Tochter werden, die aus der gescheiterten Ehe stammte. Ihr Ex-Mann war damit enterbt.

Es folgte ein schwerer Autounfall, in dessen Folge zuerst die Mutter und wenig später die Tochter verstarb. Dies setzte eine Erbfolge in Gang, die ganz und gar nicht dem erklärten letzten Willen der Enkelin des Firmengründers entsprach: Ihre noch minderjährige Tochter war zunächst Alleinerbin. Aufgrund der mangelnden Regelungen im Unternehmertestament griff nach dem Tod der Tochter die gesetzliche Erbfolge: Der gesamte Nachlass inklusive der Gesellschaftsbeteiligung ging ungewollt an den Vater und Ex-Mann. Diese ungewollte gesetzliche Erbfolge hätte leicht durch die Bestimmung eines Ersatzerben für den Fall des Todes der Alleinerbin im Unternehmertestament verhindert werden können.

Dieses Beispiel zeigt, dass sich die Investition in eine anwaltliche Prüfung, welche die bisher getroffenen Regelungen des Unternehmertestaments vor dem Hintergrund der aktuellen Lebens- und Familienverhältnisse auf Widersprüche und die Auswirkungen des neuen EU-Erbrechts unter die Lupe nimmt, auf jeden Fall auszahlt.

5. Schlüsseldokumente für Unternehmen und Privates

In eine Notfallakte gehören zusätzlich noch eine ganze Reihe zusätzlicher Dokumente über deren Notwendigkeit für den Notfallkoffer im Einzelfall entschieden werden muss. Dazu zählt eine u.a. eine Aufstellung aller Fristen, eine Adressliste mit den Daten von Kunden-, Lieferanten und anderen Geschäftspartnern und Versicherungspolicen. Ergänzend dazu helfen im Notfall eine Schlüsselliste und eine Anleitung, wo die wichtigsten Geschäftsunterlagen zu finden sind.

Ganz wichtig ist auch eine Liste mit Passwörtern und Pins für die Computer, Bankverbindungen, Online-Dienste und die sozialen Netzwerke. Denn in den Sozialen Netzwerken ist man (fast) unsterblich.

Für den privaten Teil des Notfallkoffers ist eine Vermögensaufstellung, ein Notfallplan mit den ersten Schritten und nicht zuletzt der Aufbewahrungsort von Testament, Gesellschaftervertrag und Patientenverfügung dringend anzuraten.

Hier geht es zum ersten Teil dieses Artikels, der sich mit der sich mit der Stellvertreterregelung, dem Beirat und den Vollmachten als drei wesentlichen Regelungen einer Notfallakte beschäftigt.

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