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Unternehmensbewertung von KMU – alles ganz anders?

Laut dem Institut für Mittelstandsforschung werden jedes Jahr in Deutschland mehr als 20.000 KMU Unternehmen mit einer ungelösten Unternehmensnachfolge konfrontiert.  Der erste Schritt in eine geregelte Nachfolge sollte eine fundierte Bewertung des Unternehmens sein. Da die Methodiken zur Wertermittlung analog zu großen Unternehmen sind, stellt sich die Frage ob es nicht doch ein paar kleine, aber entscheidende Unterschiede bei der Bewertung von KMU gibt.

Bevor wir uns die Thematik der Unternehmensbewertung von KMU ansehen, sollten wir vorab klären, wie überhaupt ein KMU definiert wird.

Definition KMU

Eine einheitliche Definition, was ein KMU ist, gibt es nicht. Vielmehr gibt es eine Vielzahl von Gesetzen und Institutionen, die eigene Definitionen von KMU vorhalten.

So weist der §267 Abs. 2 HGB die Grenze für mittelgroße Kapitalgesellschaften mit einer Bilanzsumme von < EUR 19,25 Mio. p.a., bzw. einen Umsatz von < EUR 38,5 EUR  oder mehr als 250 Arbeitnehmer aus. Die KfW definiert KMU mit einer Größe von kleiner als EUR 500 Mio. Umsatz (einschließlich verbundener Unternehmen). Das IfM in Bonn sieht eher eine Umsatzgrenze von weniger als EUR 50 Mio. und weniger als 500 Beschäftigte vor. Der BVMW dreht die Definition um und erklärt, dass Großbetriebe mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen.

Die EU Kommission hat drei Parameter aufgelistet:

  • < 250 Beschäftigte
  • < EUR 50 Mio. Jahresumsatz
  • < EUR 43 Mio. Bilanzsumme

Qualitative Merkmale

Die Abgrenzung zu großen Unternehmen erfolgt aber nicht nur anhand von Kennzahlen und Finanzparametern. Das heißt, dass KMU ein paar sehr spezifische Merkmale aufweisen, die gut in Ihlau, Duscha, Gödecke: Besonderheiten bei der Bewertung von KMU (Seite 6 ff.) beschrieben werden. Danach sind die Merkmale in die 4 Bereiche Geschäftsmodell, Eigner, Informationen und Finanzierung zu unterteilen.

Beispielsweise ist ein elementarer Unterschied zu großen Unternehmen der beschränkte Zugang zum Kapitalmarkt und die oftmals niedrige Eigenkapitalquote. Hinzu kommen die starken Einflüsse der Eigentümer und die fehlende Diversifikation. Auch vereinfachte Prozesse, wie das Rechnungswesen oder die fehlende Dokumentation zur Unternehmensplanung bringen die entscheidenden Unterschiede ans Licht.

Vor diesen Hintergründen stellt sich natürlich umso mehr die Frage, ob die Unternehmensbewertung von KMU nicht fundamental anders gestaltet werden muss/soll.

Unternehmensbewertung von KMU

In Moxter 1983, S. 123 fällt der Satz: “Bewerten heißt vergleichen”. Das ist das Grundprinzip einer jeden Unternehmensbewertung. Das bedeutet beispielsweise Vergleich von beobachtbaren Preisen oder Renditen für ähnliche Vermögenswerte. Genau in diesem Punkt unterscheidet sich aber eine Bewertung von großen Unternehmen. Nicht in der Methodik, aber in der Komplexität. Natürlich ist eine Konzernbewertung höchst komplex und alles andere als trivial. Eine Bewertung eines KMU steht in Sachen Komplexität in keinster Weise nach, denn es mangelt hier an vergleichbaren Werten. Gerade die KMU sind aufgrund der oft sehr speziellen und spezifischen Merkmale nur sehr beschränkt mit herangezogenen Vergleichsunternehmen vergleichbar.

In Deutschland hat sich für KMU das Ertragswertverfahren durchgesetzt. Dies basiert auf den gegebenen Bewertungsanlass in diesem Umfeld. Anders als im Transaktionsumfeld, wo das DCF-Bruttoverfahren meist angewendet wird, haben KMU oftmals als Bewertungsanlass die geeignete Lösung einer Nachfolgesituation. In diesem Rahmen muss selbstverständlich auch eine fundierte Analyse erfolgen und die speziellen Gegebenheiten des KMU berücksichtigt werden. Im Vordergrund dabei steht die Ermittlung der zukünftig erzielbaren Umsätze (unter Berücksichtigung der neuen oder alten Inhaber) und ein passender, risikoäquivalenter Kapitalisierungszinssatz.

Der Preis für das Unternehmen ist letztendlich das Ergebnis von Angebot und Nachfrage und natürlich einer gut geführten Verhandlung.

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