Der Beitrag „Gründung war kein Thema, Unternehmensübernahme schon“ erschien zuerst auf KERN 2026.
]]>Anfang 2014 erhielt Christian Lübke, der damals in Berlin arbeitete, einen Hinweis von einem Nordhorner Steuer- und Unternehmensberater. „Wir kannten uns von früher und er erzählte mir von diesem Betrieb“, erinnert sich der 46-Jährige: „Unternehmensgründung war für mich kein Thema. Aber eine Unternehmensübernahme schon. Also bin ich neugierig geworden.“ Das 1991 durch den israelischen Ingenieur Ygal Peleg gegründete Unternehmen war 2001 aus Herne ins Gewerbegebiet Gildehaus an der A30 gezogen und hatte sich zu einem der drei größten Anbieter von Sportauspuffanlagen auf dem deutschen Markt entwickelt. Lübke nahm 2014 den Kontakt zu Ygal Pereg auf und verschaffte sich einen ersten Überblick. „Ich kannte anfangs weder die Materie, noch die Kunden“, erzählt der Unternehmer. Eine Bewertung des Betriebes fiel schwer, aber der Vertriebsexperte Lübke hörte auf sein Bauchgefühl und ergriff die Chance. Im Herbst 2014 waren die Verhandlungen abgeschlossen, die Finanzierung stand und Lübke übernahm das Ruder.
„Eine Übergabephase gab es eigentlich nicht“, berichtet er: „Sofort war ich für Forschung und Entwicklung, Produktion, Lagerhaltung, Marketing und Vertrieb, Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Organisation und Datenverarbeitung und Personalwesen zuständig“. Aufgabenbereiche, für die es bei seinen bisherigen Arbeitgebern stets eigenständige Funktionsbereiche gab: „Auch Themen wie Liquiditäts- und Finanzplanung waren neu für mich“. Schnell war klar, einige Aufgaben und Verantwortlichkeiten mussten an Mitarbeiter übertragen werden. „Und“, sagt Lübke, „ich wollte einen anderen Führungsstil und das Know-how meines Teams noch besser nutzen“. Im Ergebnis wurden Arbeitsabläufe in Büro, Produktion und Vertrieb optimiert, an einigen Stellen wurde ein Investitionsstau beseitigt und, vor allem, wurde eine Qualitätsoffensive angestoßen. Dabei, gesteht Christian Lübke, habe er auch Kunden verloren und teilweise neue Zulieferer finden müssen. Aber: Die Neuaufstellung des Unternehmens gelang und brachte das erhoffte neue Potenzial mit sich. Heute sagt er aus Überzeugung: „Gemeinsam haben wir daraus die NAP Sportauspuff Manufaktur GmbH mit einer ganz neuen Unternehmensphilosophie gemacht“.
Von den beruflichen Möglichkeiten, die ihm die Unternehmensübernahme bot, ist er begeistert: „Hier komme ich in den Betrieb und kann mit kurzen Entscheidungswegen große Schritte tun“, sagt er mit Blick auf die gewohnten Strukturen in Konzernen. Für die Zukunft hat der Unternehmer große Ziele: „Wir wollen nicht gegen die Billiganbieter aus Fernost und Osteuropa konkurrieren. Wir produzieren ausschließlich hochwertige Anlagen aus Edelstahl und möchten damit stärker internationale Märkte erschließen.“ Ein Instrument auf dem weiteren Erfolgsweg ist der Onlineshop in 17 Sprachen. Autobesitzer aus aller Welt würden sich über das Portal ihre Sportauspuffanlage individuell zusammenstellen. Aber auch weitere Großkunden hat Christian Lübke im Visier. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung sieht er neben Europa weitere Wachstumschancen in Asien, Ost-Europa und den arabischen Ländern, „in denen erstklassige Qualität Made in Germany sehr gefragt ist.“
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]]>Unser Gastautor Enno Kähler, Ansprechpartner für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen bei der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim - beschreibt einen erfolgreichen Generationswechsel im Betrieb aus dem Landkreis Osnabrück.
Unmittelbar nach Abschluss seines Studiums hatte Jürgen Dukat 1991 die Führung des Familienunternehmens Gartenwerk Dukat in Belm übernommen. „Der Übergang hat damals gut funktioniert, denn mein Vater hat sich zurückgenommen und mich machen lassen“, erinnert sich der Dipl.-Ingenieur (FH). Auch er selbst, sagt er, habe beim Thema Nachfolge zunächst an eine Nachfolge durch seine Kinder gedacht. Als aber klar war, dass es keine Nachfolge innerhalb der Familie geben würde, bot er im Frühjahr 2013 Birgit Koormann und Sven Ernst die Übernahme seines Unternehmens an.
„Wir hatten zwar vorher schon einmal kurz darüber gesprochen und konnten uns grundsätzlich eine Übernahme vorstellen“, erinnert sich Birgit Koormann, „aber als es dann soweit war, brauchte ich doch noch etwas Bedenkzeit und die Diskussion in der Familie“, berichtet die 42-jährige staatlich geprüfte Gartenbautechnikerin.
Innerhalb von sieben Monaten wollte man es schaffen, den Wechsel zu vollziehen. Neben dem Alltagsgeschäft mit Kundenbe-treuung, Planung und Bauleitung, führten Birgit Koormann, Jürgen Dukat und Sven Ernst Gespräche mit Rechtsanwälten, Steuerberatern und der Hausbank. Im November 2013 waren die Vorbereitungen abgeschlossen und hatte man das Ziel, mit der Weihnachtspost Kunden und Lieferanten über die Nachfolge zu informieren. Zuvor aber sollte die Belegschaft die Neuigkeiten erfahren: „Es war damals ganz still, die Mitarbeiter waren größtenteils sichtlich überrascht“, sagt Birgit Koormann vom Abend, an dem sie mit Jürgen Dukat und Sven Ernst die Ergebnisse ihrer zunächst internen Verhandlungen bekannt gab.
Für den staatlich geprüften Garten- und Landschaftsbautechniker Sven Ernst waren die Vorbereitung auf den Wechsel und die ersten Monate in der neuen Rolle „eine spannende Zeit“. Die meisten Dinge, erzählt er, hätten Birgit Koormann und er unverändert gelassen, kleine Änderungen behutsam umgesetzt. Die Tatsache, dass sie bereits vorher im Unternehmen gearbeitet haben, werten beide Nachfolger als Vorteil. „Natürlich muss man Chef sein, betriebswirtschaftlich denken und dabei auch mal Entscheidungen treffen, die unpopulär sind“, sagt Koormann. Aber sie weiß auch, dass sie sich auf ihre Mitarbeiter verlassen und ihnen Verantwortung übertragen kann. Das gilt nicht nur für die Urlaubsplanungen, bei denen sich Ernst und Koormann auch in Zukunft nach Möglichkeit „völlig rausnehmen“ möchten.
„Insgesamt ist uns ein sehr harmonischer Übergang gelungen“, sind sich der ehemalige Unternehmer und die zwei Nachfolger heute einig. Wohl wissend, dass dies längst nicht immer so sein muss. „In unserem Erfahrungskreis mit Landschaftsbaubetrieben gibt es einige Beispiele, bei denen die Nachfolge gescheitert ist“, weiß Jürgen Dukat. Einen Grund dafür sieht er in einer oft weiterhin bestehenden wirtschaftlichen Abhängigkeit des Nachfolgers. Seine wichtigste Erfahrung dabei: „Damit der Nachfolger frei handeln kann, sollte sich der Senior-Unternehmer komplett aus dem Unternehmen herausnehmen, so wie mein Vater das auch gemacht hat“. Deshalb war für ihn von Beginn an klar, dass er gemeinsam mit seiner Frau, die die Buchhaltung im Unternehmen leitete, nur befristet bis Ende 2014 seine Nachfolger bei ihrer neuen Aufgabe begleitet.
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