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Menschen arbeiten gemeinsame an Post Merger Integration.

Post Merger Integration

In diesem Artikel behandeln wir die Post Merger Integration. Nachfolgend dazu ein kurzer Blick auf den M&A Markt.

Im Jahr 2021 gab es rund 3.000 Übernahmen und Fusionen, bei denen ein deutsches Unternehmen beteiligt war. Dies stellt – die Übernahme von Ost-Betrieben im Jahr 1990 ausgenommen – einen neuen Rekord dar.

Mit einer Übernahme können geschaffene Synergieeffekte zu einer besseren Marktpositionierung und kontinuierlichem Wachstum sorgen. Doch historisch betrachtet erzielen nur etwas mehr als die Hälfte aller Unternehmensübernahmen ein positives Ergebnis. Die Fähigkeit zur Integration der neuen Systeme in das bestehende Unternehmen stellt einen der wichtigsten Faktoren im M&A Prozess dar. Daher wird die Post Merger Integration im Folgenden genauer beleuchtet.

Achtung: Die Post Merger Integration gilt als wichtigster Erfolgsfaktor im M&A Prozess!

Sie haben nicht viel Zeit zu lesen? Dann lesen Sie diese Zusammenfassung:

Der Prozess nach einer Übernahme – die Post Merger Phase – sollte nicht auf die organisatorischen und technischen Seiten beschränkt bleiben. Vielmehr sollte er die unterschiedlichen Unternehmenskulturen einschließen. Die neue Kultur muss von allen Mitarbeitern gelebt werden. Nur so ist sie effektiv und führt zum gewünschten wirtschaftlichen Erfolg.

Eine erfahrene Unternehmensverkauf Beratung kann durch seine Projekterfahrung wertvolle Unterstützung bieten. So kann er in Konfliktsituationen als Mediator und Moderator positiv auf das Integrationsmanagement beim Zusammenschluss von Unternehmen einwirken.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Post Merger Integration (PMI)

Die Post Merger Integration beschreibt die organisatorische Zusammenführung zweier oder mehrerer Unternehmen, nachdem diese zu einer rechtlichen Einheit verschmolzen wurden. Dieser Prozess kann als beendet angesehen werden, sobald alle Unternehmen in eine einheitliche Struktur ohne redundante Prozesse überführt wurden. Umgangssprachlich wird unter dem Begriff häufig alles subsumiert, was nach einer Transaktion eines Unternehmens im Rahmen der neuen Besitzverhältnisse an Aufgaben zu leisten und zu lösen ist.

Die Post Merger Integration ist ein langer Prozess innerhalb der M&A Abläufe, daher empfiehlt es sich eine eigene Organisationseinheit für das Integrationsmanagement aufzustellen. Dieses wird meistens dem Projektmanagement zugeordnet. Aufgabe des Integrationsmanagements ist es, die Integration beim Unternehmenskauf zu koordinieren und aus den einzelnen Prozessen aller Unternehmen eine ganzheitliche Struktur zu schaffen.

Der Post Merger Integration Prozess

Der Post Merger Integrationsprozess nach einem erfolgreichen Unternehmensverkauf wird typischerweise in drei Phasen aufgeteilt, wobei sich die Bezeichnung und der Inhalt in verschiedenen Modellen leicht unterscheiden. Im Wesentlichen gibt es eine Planungs-, eine Planumsetzungs- und eine Änderungs-/Transformationsphase.

In der Planungsphase gilt es Ziele zu definieren und alle Themen zu identifizieren, die in dem „neuen“ Unternehmen bzw. den neuen Besitzerstrukturen eine Rolle spielen sollen. Hier sollte lieber gründlich und ausführlich vorgegangen werden. Die Liste der wichtigen Themen lässt sich im Laufe des Prozesses immer noch verkleinern, komplett neue Anliegen aufzunehmen ist komplizierter. Ausgehend von den zu bearbeitenden Themen wird das Integrationsteam erstellt.

Dieses sollte über eine mehrstufige Hierarchie mit klaren Kompetenzen verfügen. Alternativ können moderne und zeitgemäße Kreisstrukturen alle betroffenen Mitarbeiter nach ihren Kompetenzen und Fähigkeiten in die Prozesse integrieren. Das hat den Vorteil der Nutzung der Schwarmintelligenz der vorhandenen Ressourcen und schafft eine gemeinsame Verantwortung aller Akteure für den Erfolg. Gleichwohl muss dafür die Kultur vorhanden sein oder die neuen Eigentümer nutzen mutig den Wechsel für die Implementierung neuer Führungsmodelle.

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Grundsätzlich sollte eine Diskussionskultur geschaffen werden, die es erlaubt, möglichst viele Szenarien zu durchdenken. Ein Projektorganisationsplan hilft, die einzelnen Themen in verschiedene Arbeitspakete aufzuteilen, zu priorisieren und Teams zuzuordnen. Bereits hier können Schnittstellen zwischen verschiedenen Prozessen identifiziert werden, die später zu Synergien oder Problemen führen können, wenn diese für die gleichen oder gegensätzlichen Ziele eine Rolle spielen.

In der Projektumsetzungsphase werden die einzelnen Arbeitspakete abgearbeitet. Wie bei allen Projekten ist die Erfolgskontrolle entscheidend für eine effiziente Umsetzung. Weiterhin gilt: Je früher Probleme und Reibungspunkte erkannt werden, desto einfacher lassen sie sich managen.

In der Änderungs-/Transformationsphase erfolgt eine Übergabe der Kompetenz von dem Integrationsteam an die regulären Führungskräfte. Während das Integrationsteam nur die Strukturen für den Wandel schafft, ist das Change Management in der dritten Phase gefragt. Hier sollen die geplanten Änderungen ins Tagesgeschäft übertragen werden. Bereits zu Beginn dieser Phase können weiche Faktoren wie die Unternehmenskultur, die Bindung an vorgegebene Prozesse und die Kommunikation geprägt werden. Denn Change Management funktioniert nur, wenn die Menschen dabei mitgenommen werden.

Dauer und Aufwand werden oft unterschätzt

Viele Probleme bei und nach einer Unternehmensübernahme lassen sich auf einen Fehler zurückführen: Das Unterschätzen von Aufwand und Dauer der Integration. Eine Planung, bei der jeder Prozess im Unternehmen hinterfragt wird, benötigt ein Team, das sich komplett auf diese Aufgabe konzentriert. Dabei ist aber vor allem der zeitliche Aufwand nicht zu unterschätzen. Daher sollte die Planung nicht zu spät begonnen werden.

Zu der Dauer einer Integration gehört aber auch die Zeit, bis der Wandel in das Verhalten der Arbeitnehmer übergegangen ist. Daher darf die Integration nicht zu schnell für beendet erklärt werden. Denn fühlen sich die Menschen nicht vollständig integriert, kann die Unternehmenskultur ins Negative kippen. Daher sollte die Post Merger Integration langfristig von einem Team begleitet werden.

Worin liegen die Kernaufgaben einer Post Merger Integration?

Die Kernaufgaben der Post Merger Integration sind immer gleich: Zuerst müssen die harten Unternehmensfaktoren integriert werden. Das ist die Unternehmensorganisation und Struktur. Um dies zu bewerkstelligen, sind die Aufgabenplanung, Verzahnung der Organisationsbereiche sowie die Besetzung der Führungspositionen zu lösen.

Danach gilt es, die weichen Faktoren in das geschaffene Fundament einzubetten. Hierbei sind die beiden Kernaufgaben die Prozessgestaltung und das Formen der Unternehmenskultur. Es ist besonders wichtig, gemeinsam mit allen Betroffenen Vergangenheit und Gegenwart zusammenzuführen und eine gemeinsame Zukunft zu definieren.

  • Integrationsprojekt aufsetzen
    Ein Integrationsprojekt hat die Aufgabe, den Übernehmer und das Unternehmen zu verbinden, aber die Beteiligten nicht zu überfordern. Gehen Sie langsam und behutsam vor. Verschaffen Sie sich einen Überblick und gehen Sie nach einem erfolgten Firmenkauf erst mal kleine Schritte. Wenn Sie das Vertrauen gewonnen haben, können Sie die Laufschuhe anziehen.
  • Führungsorganisation stärken oder neu aufstellen
    Je nach Übernahmeprojekt (strategisch oder MBI = Management Buy In) müssen Aufgaben zwischen einzelnen Organisationseinheiten neu definiert werden, es müssen Kompetenzen und Verantwortungen geklärt werden.
  • Führungsmannschaft und Mitarbeiter einbinden
    Nicht selten hat eine Übernahme zur Folge, dass Leistungsträger sich mit Abwanderungsgedanken tragen. Erfolgreiches Integrationsmanagement bindet daher diesen Personenkreis rechtzeitig an das Unternehmen. Suchen Sie proaktiv das Gespräch mit den Leistungsträgern in Schlüsselpositionen.
  • Synergiepotenziale definieren und heben
    Das Integrationsmanagement hat regelmäßig die Frage zu beantworten, welche Prozesse bzw. Prozessteile übernommen werden können, neugestaltet oder zusammengelegt werden müssen, um das Unternehmen leistungsfähiger zu machen. Auch Strategien müssen angepasst werden, um den neuen Strukturen und Ideen des Eigentümers gerecht zu werden.
  • Der Übergeber
    In vielen Fällen ist der Übergeber in die Integrationsphase eingebunden, entweder weil er die Finanzierung mit ermöglicht (z. B. durch ein Verkäuferdarlehen) oder er selbst für einige Zeit das Unternehmen noch operativ steuert. Ein respektvolles und vertrauensvolles Verhältnis mit dem Übergeber ist notwendig, um den Übergang möglichst reibungslos und effizient zu gestalten.

Die Erfolgsfaktoren einer PMI

  • Ein wichtiger Faktor ist der Integrationsprojektplan. Dieser bringt eine Struktur in das Projekt und kann dabei helfen, Probleme zu erkennen und diese zu beseitigen. Die Wichtigkeit der Priorisierung darf nicht unterschätzt werden, denn jede vollständig integrierte Organisationseinheit generiert Informationen, die für den weiteren Prozess genutzt werden können. Ein Beispiel hierfür ist das Rechnungswesen. Im internen Rechnungswesen werden Informationen für die Unternehmensführung generiert. Mit Kennzahlen lassen sich erfolgreiche und problematische Geschäftsbereiche, Prozesse und Produkte identifizieren. Ein schlecht integriertes Rechnungswesen kann dies nicht leisten und das, obwohl bei der Integration die Möglichkeit besteht, genau die Problemfälle anzugehen.
  • Ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor ist der Mensch. Menschen orientieren sich über ihre Bedürfnisse in Verbindung zu ihrer Arbeit. Denn von Ihrer Tätigkeit hängen innere Zufriedenheit, Selbstwirksamkeit, Status und Einkommen ab. Veränderungen bei der Arbeit machen vielen Arbeitnehmern Sorgen. Aber für den Erfolg eines Unternehmens ist eine positive Arbeitsatmosphäre und eine gesunde Arbeitskultur essenziell. Daher gilt es, die Arbeitnehmer mit in den Prozess zu integrieren. Während bei Akquisition der Stakeholder-Value im Vordergrund stehen sollte, gilt es bei der Integration auf den Shareholder-Value zu achten. Daher sollte das Integrationsteam eng mit dem Stakeholdermanagement zusammenarbeiten.
  • Viele Unternehmen sind für einen Wandel der Unternehmenskultur nicht bereit. Daher halten sie an alten Strukturen fest, die entweder veraltet sind oder bald veraltet sind. Denn es gibt Veränderungen, die sich ankündigen. Hierzu zählen die Digitalisierung, das Home-Office und die Berücksichtigung von Umwelteinflüssen im Unternehmen. Diese Aspekte werden seit Jahren diskutiert, sind aber erst durch die Corona-Pandemie in den Fokus gerückt. Bei einer Post Merger Integration gibt es keine Denktabus. Notwendige Transformationen müssen antizipiert und mit den betroffenen Mitarbeitern integriert werden. Auch wenn dabei Bereiche komplett verändert werden, kann das die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern. Der Nutzen und Sinn muss zugleich transparent nach INNEN und AUSSEN kommuniziert werden.
  • Bevor Unternehmen zusammengelegt werden bzw. eine Firma mit dem Nachfolger neu ausgerichtet wird, findet eine Due Diligence statt. Diese dient zur Prüfung der Risiken der Fusion bzw. des Kaufes. Diese Prüfung ist der optimale Zeitpunkt, die relevantesten Bereiche für die Integration zu bestimmen. So kann die Zeit bis zum Closing einer Transaktion mit der Integrationsplanung verwendet werden. So kann zudem die Integration schnellstmöglich initialisiert werden und es geht keine Zeit verloren. Viele Unternehmen unterschätzen die Dauer der Integration. Der Zeitpunkt der vollständigen Funktionsfähigkeit wird damit deutlich verzögert.

Bei erfolgreichen M&A Projekten beginnt die Planung des Integrationsmanagements bereits während der Due Diligence.

Post Merger Integration Beratung

Die Post Merger Integration hat Einfluss auf viele harte und weiche Faktoren. Diese können sich sowohl ins Positive als auch ins Negative wandeln. Für viele Unternehmen ist die Post Merger Integration keine Routine, daher kann es sinnvoll sein, sich dafür Experten „ins Boot zu holen“. Diese können dafür sorgen, dass die ersten beiden Schritte, die Planung sowie deren Umsetzung möglichst strukturiert und ganzheitlich erfolgen. Denn bei großen Projekten rächt sich jeder Fehler, der sich bereits zu Beginn eingeschlichen hat. Ein erfahrenes Integrationsteam kann viele Probleme bereits bei der Entstehung aus der Welt schaffen. Jede Transaktion ist nur dann sinnvoll, wenn unter Berücksichtigung vom Faktor Mensch eine Refinanzierung der Investition realistisch erreicht werden kann.

Je nach Bedarf kann die dritte Phase von einer M&A Beratung begleitet werden, bis alle Prozesse vollständig integriert sind. Eine externe und damit objektive Sichtweise ist besonders für die Mitarbeiter von Vorteil. Da persönliche Differenzen der Vergangenheit weniger Einfluss auf die Entscheidungen haben, fühlt sich niemand „aufs Abstellgleis“ gestellt.

Viele Chefs von kleinen und mittleren Unternehmen fühlen eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter und alles, was sie geschaffen haben. Findet eine objektivierte Integration statt, fühlen sich die „neuen“ Mitarbeiter viel mehr wertgeschätzt und integrieren sich schneller in das neue Unternehmen.

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Fazit

Die Post Merger Integration entscheidet darüber, ob sich eine millionenschwere Investition auszahlt oder scheitert. Bei dieser Gelegenheit kann das Unternehmen komplett neu gestaltet werden. Wichtig ist allerdings, dass die Kernkompetenzen und die Menschen dabei nicht vergessen werden. Eine gründliche Projektplanung ist für den Erfolg essenziell. Mit einer professionellen Beratung kann ein Unternehmen von den Erfahrungen vergangener Integrationen profitieren. So kann die Transformation strukturierter und ganzheitlicher angegangen werden.